Nach der Ebbe kommt die Flut - dies ist mehr als nur eine Lebensweisheit. Der ständige Zyklus von Ebbe und Flut, der durch die Gravitation von Sonne und Mond verursacht wird, wird als Tide oder Gezeiten bezeichnet. Der Zeitabstand zwischen zwei Hochwassern beträgt ca. 12 Stunden und 15 Minuten. Deshalb ändert sich der genaue Zeitpunkt von Ebbe und Flut täglich.
Als Tidenhub bezeichnet man den Unterschied zwischen dem untersten Pegelpunkt der Ebbe und dem Scheitelpegel der Flut. Der Tidenhub ist abhängig von den Mondphasen, der Windstärke und der Geomorphologie der Meere und ihrer Küsten. Bei einer Springtide (Springflut) ist der Tidenhub am größten und bei einer Nipptide (Nippflut) am geringsten. Eine Springflut tritt jeweils bei Voll- und Neumond auf - eine Nippflut bei Halbmond. Oft unterscheidet sich eine Springflut nicht wesentlich von einem normalen Hochwasser. Bei einem heftigen Sturm kann dieser Unterschied jedoch zu schlimmen Konsequenzen für die Küstenbewohner führen. Aufgrund der Geomorphologie der Meere und ihrer Küsten beträgt der Tidenhub an der deutschen Nordseeküste ca. 2-3m, an der Ostsee aber nur ca. 30cm. Sylt hat einen mittleren Tidenhub von ca. 1,8m. Ein bekanntes Beispiel für einen extrem großen Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist die Insel Mont-Saint-Michel in der Normandie mit ihrem Benedikinerkloster. Bei einem Tidenhub von bis zu 14m nähert sich die Flut am Mont-Saint-Michel mit einer Geschwindigkeit von ca. 1m pro Sekunde. Eine derart hohe Fließgeschwindigkeit verdeutlicht zugleich die Gefahren einer Wanderung durch das Wattenmeer. Den Tidenhub kann man sich aber auch nutzbar machen durch den umweltfreundlichen Bau von Gezeitenkraftwerken...